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Schockschwerenot

Mai 13, 2014

Ganz aufgelöst erschien die Mandantin morgens in der Kanzlei. Ich hatte sie in einem Strafverfahren verteidigt, in dem das Gericht dann einen Strafbefehl erlassen hatte, mit dem sie zu einer angesichts der Schwere des Vorwurfs ausgesprochen moderaten Geldstrafe verurteilt wurde. Im Zuge des hiergegen eingelegten Einspruchs wurde die Höhe der Tagessätze noch reduziert, so daß die Geldstrafe sich von anfänglichen 900,- € auf 300,- € ermäßigte. Zudem war der Mandantin eine Ratenzahlung bewilligt worden.

Die Mandantin hatte die Raten auch folgsam gezahlt.

Dann hatte Sie ein Schreiben der Staatsanwaltschaft erhalten, daß eine Rate ausgeblieben sei und sie diese nun unverzüglich nachholen möge. Die Mandantin rief bei der StA an, wobei ihr mitgeteilt wurde, daß Sie die Verfahrenskosten von weiteren 127,80 € noch nicht bezahlt habe. Der Hinweis war zutreffend. Die Mandantin zahlte den Restbetrag und hielt die Angelegenheit für abgeschlossen.

Dieser Vorgang lag zwei Monate zurück. Nun erhielt die Mandantin ein weiteres Schreiben der StA. Da sie die Ratenzahlung nicht eingehalten habe und eine Zwangsvollstreckung ersichtlich aussichtlos sei, beabsichtige die StA, die restliche Geldstrafe in eine Ersatzfreiheitsstrafe umzuwandeln.

In heller Aufregung suchte mich die Mandantin nach einer schlaflosen Nacht auf und befürchtete, nun alsbald auf Staatskosten wohnen zu müssen.

Mein Anruf bei der StA ergab, daß man dort die Reduzierung der Geldstrafe durch das Gericht übersehen hatte. Die Mandantin möge das letzte Schreiben der StA ignorieren.

Errare humanum est.

RA Müller

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One comment

  1. Das Übersehen der Reduzierung der Geldstrafe ist seinerseits eine fahrlässige, strafbare Handlung. Hier wäre ein Erlass der ersten zahlbaren Rate angemessen. Es nötigt den Mandant zu Handlungen, die gesundheitliche Schäden, bis hin zu seinem Tode, verursachen können.



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