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Vielen Dank, Herr Kollege…

Mai 15, 2014

Ich muss meinem Frust nur mal ein bißchen Luft machen:

Gegenseite erhebt Klage vor einem (weiter entfernten) Landgericht.

Die Klage ist unschlüssig, worauf ich auch hinweise. Insbesondere ist sie ersichtlich durch die falsche Person erhoben. Klarer Anwaltsfehler. Die Sache der „richtigen“ Partei ist hingegen verjährt.

Morgen ist der Termin angesetzt um 9:30 Uhr, ich hab also bereits jetzt die Akte mit nach Hause genommen, um morgen früh zeitig loszufahren (nachmittags bin ich in der Regel mit dem Fahrrad in der Kanzlei). Das persönliche Erscheinen und – überraschend – Zeugen sind geladen.

HEUTE gegen 15:00 Uhr wird mir ein Schreiben der Gegenseite vorgelegt. Die Klage wird zurückgenommen.

Da ich erst noch Mandantengespräche hatte, sehe ich das Schreiben erst um 16:00 Uhr.

Schon einmal versucht zu dieser „nachtschlafenden“ Zeit jemanden in einem Gericht zu erreichen? Über die Zentrale jedenfalls keine Chance (ich habe aber schon – dies zur Ehrenrettung – Anrufe von Richtern um 17:30 Uhr erhalten).

Der Termin dürfte also (noch) nicht aufgehoben sein. Gleichwohl werde ich – im Vertrauen auf den Kollegen – morgen dort nicht aufschlagen. Den Mandanten hab ich glücklicherweise erreicht nach einer halben Telefon-Odyssee. Dieser wird – ebenfalls auf Verdacht – den Termin nicht wahrnehmen. Für den Mandanten ist es auch eine erhebliche Anreise. „Toll“ ist nur, dass das Gericht theoretisch die Möglichkeit hat, ein Ordnungsgeld zu verhängen. Ein Richter mit Augenmaß wird das sicherlich nicht tun – dieser hat aber trotz offensichtlich unschlüssiger Klage Zeugen geladen…

Was mit den Zeugen ist – keine Ahnung.

Was mich nun ärgert:

Es ist nunmehr seit über 4 (!) Monaten klar, dass die Klage an einem irreparablen Mangel leidet und der Kollege schafft es erst EINEN Tag vor dem Termin die einzig denkbare Konsequenz zu ziehen?! Und ich darf jetzt springen, den Mandanten anrufen und mir Sorgen machen über mögliche Konsequenzen (für den Mandanten oder – falls der Gegnervertreter falsch spielt – auch, zumindest vorläufig, für die Sache), wenn ich nicht zum Termin fahre. Und fahre ich zum Termin kann die Gegenseite ja einwenden, die Klage sei schon vorher zurückgenommen worden etc. pp.

Wenn das eine billige Retourkutsche sein soll, bleibt hier nur festzuhalten, dass nicht ich die Klage verbockt habe.

RA Klenner

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4 Kommentare

  1. keinen Referendar, den man in Untervollmacht hinschicken kann, für den Fall der Fälle?


    • Zum Landgericht?


  2. Wie ging es aus?


    • Sry, komme erst jetzt dazu zu antworten: Dert Termin ist dann noch aufgehoben worden.
      Übrigends ganz insteressant – der Kollege hatte an das Landgericht mit „Eilt sehr, bitte sofort vorlegen“ geschrieben per Fax am Donnerstag um ca. 11:00 Uhr.
      Wann kommt sowas dann in der Geschäftsstelle (nicht mal beim Richter) an bzw. wird zur Kenntnis genommen? Genau: 9:00 am Freitag, eine halbe Stunde vor dem Termin….
      Wenn wir so arbeiten würden…



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