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Streit trotz eindeutiger Beweislage

Mai 28, 2014

Der Mandant suchte mich in einer Unfallsache auf. Er war auf ein Tankstellengelände gefahren, um dort zu tanken. An einer Zapfsäule stand ein Motorradfahrer, der sein Fahrzeug soeben aufgetankt hatte. Der Mandant fuhr hinter dem Motorradfahrer lang. Unvermittelt und ohne sich umzudrehen ließ der Motorradfahrer sein Fahrzeug rückwärts rollen und stieß hierbei gegen das Kfz meines Mandanten.

Zeugen gab es für den Vorfall keine. Mein Mandant hatte aber das Glück, über die Tankstelle eine Videoaufzeichnung zu erhalten, auf welcher der gesamte Vorgang einschließlich der Tatsache, daß der Motorradfahrer sich nicht umgeschaut hatte, deutlich zu erkennen war. Die Bweislage war für meinen Mandanten also besser als in einer Vielzahl von anderen Unfallangelegenheiten.

Der Motorradfahrer hätte die Tankstelle zudem auch verlassen können, ohne sein Fahrzeug zurücksetzen zu müssen, da die Tankstelle über zwei Ausfahrten verfügte.

Der Motorradfahrer räumte sein Verschulden ein und sein Haftpflichtversicherer bezahlte … nur 70% des Schadens. Er verwies darauf, daß mein Mandant den Unfall hätte vermeiden können. Er sei zu schnell gewesen.

Die außergerichtliche Korespondenz einschließlich der Ankündigung, bei Ausbleibens der weiteren Zahlung den Restbetrag einklagen zu werden, führte zu keinem Umdenken. Für meinen Mandanten reichte ich also die Klage ein.

Prompt reagierte der Versicherer … und zahlte den eingeklagten Betrag auf Heller und Pfennig.

Es zeigt sich wieder einmal, daß man sich als Geschädigter nicht jede Kürzung gefallen lassen sollte. Allein die Tatsache, daß ein Versicherer sich auf eine angebliche Mithaftung beruft, heißt noch lange nicht, daß der Versicherer tatsächlich hinter dieser Argumentation steht. Bisweilen spekuliert der Versicherer lediglich darauf, daß der Geschädigte die Sache auf sich beruhen lassen wird.

RA Müller

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5 Kommentare

  1. Ich finde es aber schade das man oft erst mit einer Klage „drohen“ muss bevor sowas bezahlt wird…


  2. Ich weiss nicht ob das so gut wäre, aber in so einem Fall wünsche ich mir das dem Verursacher des Ganzen (also der Versicherung) 10% der zu erwartenden Gebühren des Rechtsstreits aufgelegt würde. Immerhin hat er die Klage ja mutwillig provoziert.


  3. @almandor:
    Ich kann Sie beruhigen: Die Versicherung trägt in so einem Fall die kompletten (allerdings in der Regel reduzierten) Kosten des Rechtsstreits!


  4. […] eine letzte Gelegenheit zur Klaglosstellung. Es handelte sich um denselben Versicherer wie in dem hier genannten Fall, in dem auch nur eine Klage Abhilfe schaffen konnte. Mit einem Einlenken des Versicherers rechnete […]



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