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Trau, schau wem

Juli 2, 2014

Das Vertrauen der Mandantin in die Anwaltschaft war erschüttert. Als Vermieterin hatte sie ihrem Mieter ordentlich und fristgerecht gekündigt. Da der Mieter indes nicht auszog, beauftragt Sie einen Anwalt mit der Einleitung eines Räumungsverfahrens. Sie war nicht rechtsschutzversichert, hatte die Kosten also selbst zu tragen.

Der Anwalt erklärte ihr zunächst, daß ihre Kündigung keinen Hinweis auf das Widerspruchsrecht enthalte und daher unwirksam sei. (Tatsächlich berührt der fehlende Hinweis die Wirksamkeit der Kündigung gar nicht). Also sprach der Anwalt noch einmal selbst eine – nunmehr allerdings außerordentliche und fristlose – Kündigung des Mietverhältnisses aus, wobei die Mandantin die entsprechenden Kosten zu tragen hatte.

Auch diese Kündigung führte nicht zu einem Auszug des Mieters, so daß der Anwalt nun die Räumungsklage einreichte.

Bedauerlicherweise ergab sich bereits unmittelbar aus dem Gesetz, daß die außerordentliche Kündigung, die der Anwalt ausgesprochen hatte, unwirksam war. Im Prozeß legte er leider ausschließlich die von ihm verfaßte Kündigung vor und berief sich nicht hilfsweise auf die von der Mandantin ausgesprochene Kündigung.

So ging der Prozeß baden und auf die Mandantin rollte eine Kostenlawine zu. Es folgte der Rat des Anwalts an die Mandantin, Berufung einzulegen…

 

Die Mandantin war indes so skeptisch geworden, daß sie nun den Anwalt wechselte. Und siehe da: Zumindest insoweit kann man dem gegnerischen Kollegen keinen Vorwurf machen. Auf mein erstes Schreiben hin hat er der Mandantin die ihr entstandenen Verfahrenskosten aus eigener Tasche erstattet und auch die durch meine Beauftragung entstandenen Kosten übernommen.

RA Müller

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7 Kommentare

  1. Könnte man das ev. als (wenn auch nur Teil-)Eingeständnis werten das der Kollege es versemmelt hat?;)


  2. Wirklich aus eigener Tasche? Oder hat er das nicht doch über seine Haftplichtversicherung abgewickelt?


    • Die Zahlung erfolgte jedenfalls direkt vom gegnerischen Kollegen. Auch die Tatsache, daß die Zahlung derart schnell erfolgte, spricht gegen die Beteiligung eines Versicherers 😉


  3. Da – zumindest in den Kanzleien, in denen ich bislang gearbeitet habe – bei der Berufshaftpflicht meist eine Selbstbeteiligung im Bereich € 2.500 – 5.000 vereinbart war, dürfte auch hier vermutlich ein großer Teil tatsächlich aus eigener Tasche gezahlt worden sein.


  4. Bei so einer Aktion kann der Kollege nur zu Kreuze kriechen und wird sich im Leben nicht trauen, sich bei der Haftpflicht zu melden. Glück für ihn, dass kein „richtiger“ Schaden entstanden ist – wirtschaftliche Verwertung der Immobilie, gescheiterter Verkauf


  5. „Zumindest insoweit kann man dem gegnerischen Kollegen keinen Vorwurf machen“.

    Hier ist doch nicht der gegnerische Kollege gemeint oder?



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