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Forsch agierender Halbgott

Juli 14, 2014

Geht es um Arzthaftungsrecht, so kann ein Patient häufig nicht selbst überblicken, ob dem behandelnden Arzt ein Vorwurf gemacht werden kann. Allein die Tatsache, daß es ihm nach der ärztlichen Behandlung nicht besser und vielleicht sogar schlechter geht als zuvor, führt noch nicht zu der gesicherten Erkenntnis, daß ein Behandlungsfehler vorliegt. Schließlich wohnen medizinschen Behandlungen regelmäßig Risiken inne, die sich auch dann nicht gänzlich vermeiden lassen, wenn der behandelnde Arzt die Regeln der ärztlichen Kunst beachtet. Man denke nur an die Aufklärungsbögen, die man als Patient vor größeren Eingriffen unterschreiben soll. Hat sich „lediglich“ ein solches Risiko verwirklicht, so bleibt die Frage, ob der Patient vor dem Eingriff zutreffend aufgeklärt worden ist.

In Arzthaftungssachen ist es daher erforderlich, zunächst die Behandlungsunterlagen bei dem betroffenen Arzt und eventuell weiteren Ärzten anzufordern und sorgfältig zu prüfen.

So mancher „Halbgott in Weiß“ reagiert auf das Ansinnen, er habe möglicherweise einen Fehler gemacht, geradezu allergisch.

In einem Verfahren, in dem ich die Rechte des Patienten vertrete, überließ der Arzt nicht wie üblich seinem Haftpflichtversicherer die Korrespondenz, sondern nahm zunächst selbst Stellung. So wies er jede Verantwortlichkeit für den eingetretenen Gesundheitsschaden entschieden von sich. Er habe eine korrekte Diagnose erstellt und eine „medizinisch adäquate Therapie“ angewandt. Der gegen ihn erhobene Vorwurf sei „substanzlos“ und auf die „interindividuell unterschiedliche Perzeptionsfähigkeit“ des Patienten zurückzuführen.

Kurz gesagt: Er habe alles richtig gemacht und wenn der Patient zu dumm sei, ihn zu verstehen, so sei das das Problem des Patienten.

In dem weiteren Verfahrensverlauf kam es zur Einholung eines Sachverständigengutachtens. Der Sachverständige kam zu dem eindeutigen Ergebnis, daß dem behandelnden Arzt ein Diagnose- und Behandlungsfehler anzulasten ist.

Aber vielleicht reicht ja auch einfach die Perzeptionsfähigkeit des Sachverständigen nicht aus, die Behandlungsstrategie des Arztes nachzuvollziehen…

RA Müller

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