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Kollegenschelte

Juli 16, 2014

… sollte man eigentlich nicht betreiben, früher oder später fällt sowas ja auch auf einen zurück.

Zwei Verfahren sind mir hier aber in letzter Zeit sauer aufgestoßen angesichts der „Taktik“ der Kollegen, welche nur noch entfernt mit einer angemessenen Vertretung ihrer jeweiligen Mandanten zu tun hatte.

Fall 1:

Vorausgegangen war ein Verfahren, anlässlich dessen der Kollege eine Aktivforderung eines seiner Mandanten geltend gemacht hatte, hierbei aber die Mandanten verwechselt hatte, so dass der dortige Kläger nicht aktivlegitimiert war. Die Forderung des anderen Mandanten war dann verjährt. Klarer Fall der Anwaltshaftung. Klarer Fall? Mitnichten – denn das erfordert, dass der „richtige“ Kläger überhaupt einen Anspruch gehabt hätte, dessen er nun durch Verschulden seines Anwalts verlustig gegangen wäre.

Sodann hatte mein Mandant – nun im „richtigen“ Parteienverhältnis – seinerseits den „richtigen“ Gegner auf Zahlung einer eigenen Forderung gerichtlich in Anspruch genommen. Natürlich – insoweit noch nachvollziehbar – rechnete der Kollege mit dem „versemmelten“, also verjährten, vorstehenden Anspruch auf, was möglich ist, soweit sich die Ansprüche zu irgendeinem Zeitpunkt unverjährt gegenüberstanden, was hier der Fall war.

In der Sache hatte ich dann – durchaus anspruchvoll – die Begründetheit der zur Aufrechnung gestellten Gegenforderung bestritten. Und jetzt kam … nichts. Statt dessen ergriff der Gegnervertreter im Prinzip anlässlich des Termins zur mündlichen Verhandlung „meine“ Partei (sein Mandant war nicht erschienen) und trug letztlich vor, warum ich recht hätte, der Anspruch seines Mandanten nicht bestünde und weiter, dass er zu jedenfalls in Betracht kommenden weiteren Ansprüchen selber ja nicht ausreichend in tatsächlicher Hinsicht vorgetragen habe.

Ein Schelm, wer Böses dabei denkt…

Fall 2:

Beendetes Mietverhältnis, Gegner will seine Kaution wiederhaben. Soll vorkommen. Es bestehen aber Gegenforderungen – so hat der Mieter unter anderem die Wohnung eindeutig nicht in neutralen Farben zurückgegeben. Außergerichtliches Aufforderungsschreiben des Gegenervertreters betreffend die Kautionsrückzahlung, wir schreiben zurück und weisen auf die vielfarbigen Wände – unter Beifügung von Fotografien (!) – und die damit verbundenen Kosten hin. Gegenseite erhebt nunmehr Klage.

Im Termin räumt der Mieter selbst ein, dass die Wohnung diese Tapeten aufwies bei Auszug. Und was macht der Kollege? Wendet sich an seinen Mandanten und erklärt ihm, dass, wenn die Wohnung so aussähe, natürlich die Kosten des Nachstreichens zu ersetzen wären, voraussichtlich auch in der Höhe, wie geltend gemacht (diese übersteigen die Höhe des Kautionsauskehrungsanspruches bei Weitem).

Was hat der Kollege denn vorher gemacht? Hat der sich die übersandten Bilder gar nicht angesehen, sondern seine (wohl rechtsschutzversicherte) Mandantin in das Verfahren geprügelt? Sowas hat doch offensichtlich nur das Ziel, Gebühren zu produzieren (und das bei einem Streitwert unter 1.000,00 € – na herzlichen Glückwunsch).

RA Klenner

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3 Kommentare

  1. Hehe… einen Fall, in dem ich das Gefühl hatte, dass nur möglichst viele Gebühren abgegriffen werden sollen, hatte ich auch:

    Sorgerechtsstreit, ich vertrat den Kindsvater gegen die Kindsmutter, die das alleinige Sorgerecht haben wollte. Beide Mandanten mit VKH. Zwischenzeitlich: Gewaltschutzverfahren, in dessen Verhandlung die Situation befriedet wurde und die Kindsmutter einräumte: „Wenn es drauf ankommt, ist er für den Kleinen da. Über alles wichtige können wir normal reden.“

    Nunja, sie wollte das alleinige Sorgerecht, weil er den Kleinen unregelmäßig abholte… was machte der gegnerische Kollege? Er schwieg.

    Es kam zur mündlichen Verhandlung vorm Familiengericht. Das Gericht wies – auch nach dem entsprechenden BEricht des Verfahrenspflegers des Kleinen – mehrmals darauf hin, dass es keinen Grund für die Übertragung des alleinigen Sorgerechts gebe. Der Gegner schwieg.

    Das Gericht eröffnete von Amts wegen ein Umgangsverfahren.

    Ich beantragte natürlich sofort VKH für das neue Umgangsverfahren. Der gegnerische Kollege schwieg, bis das Gericht ihn fragte, ob er auch VKH haben wolle.

    Bei der Formulierung der Einigung verhandelte nur ich mit dem Richter. Der gegnerische Kolleg schwieg und nickte nur.

    Hätte der Kollege nicht geschwiegen, hätte er dem Steuerzahler einiges an Kosten erspart. Und das Gericht hätte an einer Stelle diesbezüglich auch gerne schweigen dürfen. 😉


  2. Trotz Studium und juristischem Interesse (regelmäßger Jurablogs-Leser) verstehe ich den Fall 1 nicht.
    Könnten Sie das nochmal mit Namen und Daten beschreiben?


  3. @Siegfried Niebel-Lungen:

    Im Fall 1 hatte der gegnerische Anwalt Angst davor, von seinem alten Mandanten in die Haftung genommen zu werden, wenn der neue gewinnt. Also hat er alles gegeben, dass der aktuelle Prozess verloren geht.



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