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MhMh!

Juli 18, 2014

Das Gericht begegnete der Klage der Gegenseite mit sichtlicher Skepsis. So hatte der Gegner meinen Mandanten auf Zahlung von Schmerzensgeld verklagt, da mein Mandant ihn angegriffen habe. Mein Mandant hatte den Vorfall in der Weise geschildert, daß der aufgebrachte Gegner ihn angegriffen hatte und dann beide zu Boden gestürzt waren.

In dem damals eingeleiteten Strafverfahren hatte die Polizei einen unabhängigen Tatzeugen befragt, welcher die Version meines Mandanten bestätigt hatte. Entsprechend war das Strafverfahren gegen meinen Mandanten eingestellt worden.

Mehr als ein Jahr später folgte nun die Zivilklage des Gegners. Als Zeugin für den von ihm dargestellten Ablauf führte er seine zum Vorfallszeitpunkt 10 Jahre alte Tochter an.

Das Gericht eröffnete die Verhandlung mit der Bemerkung, daß die Klage kaum Aussicht auf Erfolg habe, wenn der unabhängige Tatzeuge jene Aussage wiederhole, die er bei der Polizei getätigt hatte. Besagter Zeuge wurde anschließend vernommen. Wenig überraschend blieb er bei seiner damaligen Aussage. Daraufhin erkundigte sich der Richter bei dem Kläger, ob er seine Tochter nun noch der Belastung aussetzen wolle, als Zeugin auszusagen.

Unbeirrt hielt der  Kläger an dem Zeugenbeweis fest und so wurde seine Tochter hereingerufen, die direkt neben ihrem Papa Platz nehmen durfte und sichtlich nervös war. Es folgte die kindgerichte Belehrung des Richters, daß das Mädchen keine Aussage tätigen müsse, wenn es dieses nicht wolle, da schließlich ihr Vater betroffen sei. Anschließend fragte der Richter: „Möchtest Du hier aussagen?“

Reaktion des Kindes: „MhMh“, begleitet von einem Kopfschütteln.

So schnell konnte der Beklagte gar nicht gucken, wie das Kind daraufhin als Zeuge entlassen und wieder aus dem Saal war.

Es folgte noch im Termin die Klagerücknahme durch den Gegner.

RA Müller

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4 Kommentare

  1. Der Angeklagte? Eher der Beklagte. Und auch der Kläger. 😉

    Meine Sinnlosklagen, in denen ich natürlich stets die sinnlos verklagte Gegenseite vertrete, haben bisher glücklicherweise stets gar mit in einer mündlichen Verhandlung geendet.


    • Ah, danke. Da brach der Strafrechtler durch 😉


  2. Gegner ärgern und der nach Beginn der mündlichen Verhandlung erklärten Klagerücknahme nicht zustimmen. 😉


  3. Da zieht man aber oftmals den Unmut des Gerichts auf sich :)… Nicht nur den des Gegners. Abgesehen davon, dass man einen satten Haftungsfall wegen Falschberatung am Bein hat, wenn man das Verfahren doch noch verliert… 🙂



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