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Wer nicht kommt zur rechten Zeit…

August 12, 2014

Vor einiger Zeit kündigte ein Mandant, für den ich in einem Verfahren ein günstiges Ergebnis erstritten hatte, an, mich noch in einer anderen Strafsache aufsuchen zu wollen. Dort sei er in der ersten Instanz unverteidigt gewesen und durch das Amtsgericht verurteilt worden. Das Urteil sei indes völlig falsch. Er habe seinerzeit bei Gericht jene Unterlagen nicht dabei gehabt, die seine Unschuld hätten beweisen und die ungünstigen Zeugenaussagen widerlegen können. Gegen das Urteil habe er dann Berufung eingelegt und nun stehe der Berufungstermin an.

Wann über die Berufung verhandelt werden sollte, wußte der Mandant nicht aus dem Kopf. Auf meinen Hinweis, daß mein Terminkalender bereits zahlreiche Termine aufwies und er mich alsbald über den Termin informieren möge, versicherte der Mandant, die seiner Entlastung dienen Unterlagen nebst der Terminsladung des Gerichts alsbald einreichen zu werden.

Tatsächlich reichte der Mandant erst einige Wochen später an einem Dienstag zur Mittagsstunde die besagten Unterlagen ein. Ein Blick auf die Terminsladung zeigte, daß der Termin bereits am Morgen dieses Tages stattgefunden hatte.

Der Mandant selbst hatte den Termin nicht wahrgenommen.

Als ich den Mandanten vorsichtig darauf hinwies, daß Zeitreisen (noch) nicht zu meinem anwaltlichen Repertoir gehören und das Gericht die Berufung nun sicherlich verworfen hatte, reagierte der Mandant erstaunt. Er habe die Geschäftsstelle des Gerichts doch am Morgen telefonisch darüber informiert, daß er arbeiten müsse. Er sei selbständig und könne sich den durch die Verhandlung entstehenden Verdienstausfall nicht leisten. Dafür müsse das Gericht doch wohl Verständnis haben und so terminieren, daß seine Arbeitszeit nicht betroffen sei. Seine Arbeitszeit beschrieb der Mandant dabei als

sieben Tage die Woche praktisch rund um die Uhr, soweit ich nicht schlafe. Deshalb habe ich auch die Unterlagen erst jetzt zusammenstellen und bei Ihnen einreichen können.

So setzt wohl jeder seine Prioritäten anders.

RA Müller

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3 Kommentare

  1. ….was denken sich solche Leute nur?


    • Gibt’s so endlich Urlaub – eh eine Haftstrafe?


  2. Gegen solche Mandanten muss man sich als RA leider stets mit sehr ausführlichen, zeitaufwändigen Gesprächs- und Telefonnotizen absichern. Nicht, dass der Mandant plötzlich ein „Anwaltsverschulden“ erfindet, um seinen Kopf irgendwie noch aus der Schlinge zu ziehen.

    Bei mir gibt es eine dicke Akte „lose Eingänge“, so derlei landet.



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