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Von Idealismus geprägt

August 20, 2014

Ein Kollege pflegte zu sagen, daß die Tätigkeit des Anwalts bisweilen von Idealismus geprägt ist. Zu dieser Auffassung könnte man jedenfalls kommen, wenn man sich einen aktuell von mir geführten Rechtsstreit betrachtet.

Der Gegner verklagt meinen Mandanten, wobei sich der Streitwert auf unter 1.000,- € beläuft. Dem Rechtsstreit zugrunde liegt ein tiefes Zerwürfnis der familiär verbundenen Parteien, dessen Ursprung viele Jahre zurückliegt.

Es kam zu einem ersten Termin bei Gericht, in welchem geradezu ausufernde Bemühungen entfaltet wurden, eine Einigung zwischen den Parteien zu erzielen, die leider nicht zustande kam, auch wenn mein Mandant gerne eine solche Einigung herbeigeführt hätte. Es war absehbar, daß es zu weiteren Streitigkeiten kommen würde. Die Einreichung einer weiteren – indes aus meiner Sicht haltlosen – Klage hatte der Gegner bereits angekündigt.

In einem zweiten Gerichtstermin kam es dann zu einer mehrstündigen Beweisaufnahme, an welche sich wiederum Einigungsbemühungen anschlossen, die nun eventuell tatsächlich zu einem Erfolg führen könnten. Die Einigung hätte das Potential, auch zukünftige Streitigkeiten zwischen den Parteien zu verhindern.

Allein die beiden Gerichtstermine haben einschließlich Fahrtzeit ca. sechs Stunden verschlungen. Selbst wenn es nun zu einer Einigung kommen sollte, so würde ich für das Verfahren den Wahnsinns-Betrag von 220,- € netto erhalten. Rechnet man die vorher erfolgten Besprechungen mit dem Mandanten, die Ausarbeitung der Schriftsätze sowie die nun noch erforderlichen weiteren Bemühungen um den Vergleichsschluß ein, so dürfte sich ein Stundenaufwand von insgesamt sicherlich 10 Stunden ergeben. Wirtschaftlichkeit sieht anders aus…

RA Müller

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3 Kommentare

  1. Eine andere Kollegin versteht unter „von Idealismus geprägtem Engagement finanzieller Art“ etwas ganz anderes…


    • Ich wage nicht, dem zu widersprechen 😉


  2. Hallo, Herr Kollege, ich habe bei anderen Kollegen etwas schönes gefunden und überlege, so etwas auch für meine Kanzlei einzufügen. Denn die Mandanten, die wegen einer um 20,- Euro zu hohen Telefonrechnung zu mir kommen, auf mein Schreiben an die Gegenseite hin dann jeden Tag ohne Termin vorbeikommen und mich nerven, warum „nichts passiert“ und dann durch’s ganze Dorf rennen, um sich über den „schlechten Anwalt“ zu beschweren, der „nicht fähig ist, den Vertrag mit diesen Betrügern fristlos zu kündigen“, sind nicht allen wegen der Unwirtschaftlichkeit der Mandate auch höchst geschäftsschädigend.

    Hier nun das Fundstück:
    http://www.sb-vb.de/cnt/kosten.php
    rechts auf „Vergütungsregeln“ klicken.



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