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1+1+1=2 (Wenn eine Zeugenvernehmung so anfängt…)

September 15, 2014

In einem Strafverfahren sollte mein Mandant zweimal am Tatort gewesen sein. Dieses ließ sich auch beweisen. Der hierfür zur Verfügung stehende Zeuge wartete vor dem Gerichtssaal. Eine zunächst befragte Zeugin behauptete nun überraschend, daß mein Mandant gar dreimal vor Ort gewesen sei: Zunächst zu einer Vorbesprechung, am Folgetag zur Vornahme von Arbeiten und am dritten Tag um „abzukassieren“.

Ich begann meine Befragung mit einer „einfachen Einstiegsfrage“.

Verteidiger: „Ich habe Sie vorhin so verstanden, daß der Angeklagte dreimal vor Ort war. Ist das so zutreffend wiedergegeben?“

Zeugin: „Dreimal? Nein, haben Sie denn nicht aufgepaßt. Ich habe es doch eben erzählt!“

Verteidiger: „Nicht dreimal? Ok, dann sagen Sie bitte noch einmal, wie oft er bei Ihnen war.“

Zeugin: „Nachdem wir telefoniert hatten, kam er vorbei. Und dann am nächsten Tag kam er in Begleitung einer weiteren Person und hat die Arbeiten durchgeführt.“

Verteidiger: „Sie hatten doch angegeben, daß er danach noch einmal „zum Abkassieren“ kam.“

Zeugin: „Ja, das stimmt ja auch.“

Verteidiger: „Dann war er also doch an drei Tagen vor Ort.“

Zeugin: “Nein! Wie oft denn noch? Einmal nach dem Telefonat und dann zur Verrichtung der Arbeiten.“

Verteidiger: „… und zum Abkassieren. Das sind doch drei Mal…?“

Zeugin: „Nein! Beim letzten Mal hat er ja nicht gearbeitet.“

 

Bisweilen gestalten sich Zeugenvernehmungen etwas anstrengend…

 

RA Müller

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5 Kommentare

  1. Ich hab’s nicht begriffen. Nur weil er nicht gearbeitet hat war er also nicht da?!? Kommt mir vor wie bei Loriot…


  2. Aber warum zählt dann das nach dem Anruf? Da hat er doch auch nicht gearbeitet.

    Es gibt schon merkwürdige Leute.


    • So wie Dich, der Du nicht liest.
      RA Müller schrieb doch, dass eine Unterhaltung mit der Dame durchaus anstrengend sein kann, also Arbeit 😉


      • Unter diesem Gesichtspunkt wäre das Geldabholen aber auch zur Arbeit geworden 😀


  3. Das erinnert mich daran, wie ich zu meiner Schulzeit einmal mit meiner Klasse eine Amtsgerichtsverhandlung besucht habe. Eine Zeugin hatte den Angeklagten nicht beim Betreten oder Verlassen einer bestimmten Fußgängerunterführung gesehen, obwohl sie im fraglichen Zeitraum alle Ausgänge von ihrem Fenster aus im Blick hatte. Wirklich alle Ausgänge? Auf wiederholte Nachfragen bekräftigte sie das jedes Mal. Bis jemand sie konkret nach einem ganz bestimmten Ausgang befragte: Nein, den könne sie von ihrem Fenster aus natürlich nicht sehen. – Was??? – Das sei kein Ausgang, das sei ein Eingang. Auf weitere Nachfragen konnte sie allerdings den Unterschied zwischen Ein- und Ausgängen nicht erklären.



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