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„Das ist heute echt nicht mein Tag“

Oktober 7, 2014

Manchen Mandanten kann man es nur schwierig recht machen. Die Gegenseite hatte Berufung gegen ein Urteil eingelegt, das ich für den Mandanten erstritten hatte und in dem die Gegenseite antragsgemäß verurteilt worden war. Die Gegenseite hatte sich zwar die Finger wund geschrieben, das Gericht hiermit indes vermutlich eher verärgert als der Sache genutzt.

In der Berufungsverhandlung fand das Gericht deutliche Worte: Ein Teil des gegnerischen Vortrags sei verspätet und daher vom Gericht nicht zu berücksichtigen. Der verbleibende Vortrag der Gegenseite führe nicht dazu, daß das amtsgerichtliche Urteil aufzuheben sei. Man werde die Berufung also vorbehaltlich einer abschließenden Beratung zurückweisen.

Als die Gegenseite das Gericht dann gleichwohl aufforderte, einen Vergleichsvorschlag zu unterbreiten, teilte das Gericht kurz und knapp mit: „Wie soll das Gericht denn auf dieser Grundlage einen Vergleich vorschlagen?“

Nach der Verhandlung erläuterte ich dem Mandanten noch einmal die für ihn positive Bewertung des Gerichts. Ich erntete indes einen gequält klingenden Stoßseufzer des Mandanten:

„Das ist heute echt nicht mein Tag…“

Leicht irritiert wies ich den Mandanten noch einmal darauf hin, daß das Gericht die Berufung der Gegenseite zurückweisen werde und das Verfahren damit gewonnen sei. Es bestehe also Anlaß zur Freude.

Die Gemütsverfassung des Mandanten ließ dies indes unberührt. So entgegnete er:

„Ja, aber wer weiß schon, was der Gegenseite noch einfällt.“

Der Gegenseite ist noch etwas eingefallen. Sie hat die Berufung wenige Tage später zurückgenommen.

Vielleicht wird das ausreichen, die Stimmung des Mandanten zu beflügeln 🙂

RA Müller

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2 Kommentare

  1. Mich wundert es aber doch, dass das Berufungsgericht keinen Hinweis und sodann Beschluss nach § 522 Abs. 2 ZPO erlassen hat, sondern es zu einer mündlichen Verhandlung kommen ließ. Wenn ich das richtig sehe, war die mangelnde Erfolgsaussicht doch bereits aus der Berufungsbegründung erkennbar.


    • Das zuständige Landgericht ist mit Beschlüssen nach § 522 Abs.2 ZPO – anders als das hiesige OLG – SEHR zurückhaltend.



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