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Wenn der eigene Anwalt im feindlichen Lager steht

Dezember 2, 2014

Im Justillon-Blog wird hier von einem Fall aus den USA berichtet, in dem der Verteidiger für seinen Mandanten, nachdem die Jury dessen Täterschaft festgestellt hatte, die Todestrafe forderte. In einem anschließenden Disziplinarverfahren ging es dem Verteidiger, der sich in dem Verfahren auch im übrigen nicht mit Ruhm bekleckert hatte,  an den Kragen, sprich: die Anwaltszulassung. In dem Beitrag findet sich auch ein Video aus dem Disziplinarverfahren, in dem sich der Anwalt selbst verteidigt.

Bemerkenswert ist dort unter anderem die Stelle, an welcher ihm vorgehalten wird, daß sein Mandant ihm wohl kaum den Auftrag erteilt habe, den Geschworenen, die seinen Mandanten für schuldig befunden hatten, mitzuteilen, daß der Täter zum Tode zu verurteilen sei. Der Anwalt erwidert hierauf entrüstet: „But that is my view!“ („Aber das ist meine Auffassung!“).

Ich fühle mich an einen – nicht gar so gravierenden – Fall erinnert:

Eine junge Mandantin, die mich in einer Strafsache beauftragt hatte, rief mich an und schluchzte unter Tränen, das ihr ein anderer Anwalt als Verteidiger beigeordnet worden sei. Die Beiordnung beziehe sich auf ein anderes Verfahren, von welchem sie mir versehentlich nicht berichtet habe, da sie davon ausgegangen sei, daß die Verfahren zusammenhängen würden.

Von dem anderen Anwalt wolle sie auf gar keinen Fall vertreten werden. Er habe sie schon einmal vertreten und in seinem Plädoyer die Auffasung vertreten, daß eine Haftstrafe nicht das Schlechteste sei, da sie dann Zeit habe, ihr Verhalten zu reflektieren. Verhängt hatte das Gericht seinerzeit übrigens keine Haftstrafe, war also dem Antrag der Verteidigung zugunsten der Mandantin nicht gefolgt.

Die Mandantin konnte ich nach einem Telefonat mit dem Gericht beruhigen. Angesichts der positiven Entwicklung der Mandantin würde sie in dem Verfahren mit einem blauen Auge davonkommen. Auch das Verfahren, in welchem ich die Mandantin tatsächlich vertreten habe, ist mittlerweile eingestellt worden.

RA Müller

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2 Kommentare

  1. Wird so etwas als Revisionsgrund zugelassen?


  2. Damit dürfte dem Revisionsführer hierzulande wenig Erfolg beschieden sein. Der Fall aus den USA soll allerdings wieder aufgenommen worden sein.



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