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Am Weihnachtsbaume die Lichter brennen

Dezember 19, 2014

Weihnachten naht, auch wenn sich im Arbeitsalltag noch keine rechte Besinnlichkeit einzustellen vermag. Auch manchen Richter verspürt wohl noch einen merklichen Tatendrang, so daß ich am 22.12. noch drei Gerichtstermine wahrnehmen werde („Ach, vormittags haben Sie bereits zwei Verhandlungstermine? Dann lassen Sie uns die Strafsache doch am besten nachmittags verhandeln“).

Doch Gerichte sind nicht nur in der Weihnachtszeit beschäftigt. Bisweilen sorgt gerade die Weihnachtszeit für den einen oder anderen Rechtsstreit. So kommt es etwa immer wieder zu Schäden, die auf kurz (oder auch etwas länger) unbeaufsichtigt gelassene Kerzen zurückzuführen sind. Die Auffassung von Gerichten, ob und wie lange man Kerzen unbeaufsichtigt lassen darf, unterscheidet sich von Fall zu Fall.

Bemerkenswert ist ein Fall, in dem der Geschädigte gar die Auffassung vertrat, daß es bereits fahrlässig sei, überhaupt echte Kerzen am Weihnachtsbaum zu verwenden und diese abbrennen zu lassen. Angesichts der von trockenen Weihnachtsbäumen und daran befestigten Kerzen ausgehenden Gefahr, stelle es einen erheblichen Sorgfaltsverstoß dar, echte Kerzen zu verwenden, selbst wenn diese konstant beaufsichtigt werden. In dem konkreten Fall war der Weihnachtsbaum in Brand geraten. Es trat eine „explosionsartige Verpuffungsreaktion“ ein, der Baum stürzte und die Wohnung stand in Flammen.

Dabei hatten die Verantwortlichen vorgesorgt: Ein Eimer mit Löschwasser stand parat, keine Kerze stand unter überhängenden Ästen, Gegengewichte sorgten dafür, daß die Kerzen gerade hingen und unter den Kerzenständern hingen breite Auffangschalen, so daß ein eventuell noch glimmender Docht sowie Wachs nicht auf Äste des Baumes fallen konnten.

Das schließlich in dieser Sache zur Entscheidung berufene OLG stellte zwar fest, daß mit der Verwendung der Kerzen und deren Abbrennenlassen grundsätzlich eine gewisse Brandgefahr verbunden sei, die Verantwortlichen indes die ihnen obliegenden Sorgfaltspflichten erfüllt hätten. Es sei nicht zu fordern, auf echte Kerzen ganz und gar zu verzichten.

RA Müller

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One comment

  1. Ich finde die Entscheidung des Gerichts gerechtfertigt. Offenes Feuer stellt immer eine Gefahrenquelle dar und sei es nur der falsche Umgang mit dem Kaminofen. Wenn dazu kommt, das sich direkt neben dem offenen Feuer trockenes Holz und optimalerweise noch leicht entzündlicher Baumschmuck befindet, halte ich dies nicht mehr für zeitgemäß. Sicher, die Optik und das Wohlgefühl sind anders als bei Lichterketten, dies sollte aber nicht auf Kosten der eigenen oder der Sicherheit anderer gehen. Wenn es nach mir ginge, würde alle Gerichte dieser Auffassung sein.



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