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Im Kürzungswahn begriffen

Februar 25, 2015

In einer Unfallsache erhielt ich gerade ein Schreiben des gegnerischen Versicherers. Die Einstandspflicht erkennt der gegnerische Versicherer an. Auch die geltend gemachten Ansprüche meines Mandanten werden umfassend reguliert – mit einer Ausnahme: Die Sachverständigenkosten seien überhöht!

Es folgt der Hinweis darauf, daß die Sachverständigenkosten den zur Schadensbeseitigung erforderlichen Aufwand nach § 249 Abs.2 BGB überschreiten. Zu erstatten seien nach der Rechtsprechung des BGH nur jene Kosten, die ein verständiger, wirtschaftlich denkender Mensch in der lage des Geschädigten im Hinblick auf die Schadensfeststellung und -beseitigung für erforderlich halten dürfe.

Zwar sei der Geschädigte hierbei nicht zur Marktforschung verpflichtet, um einen möglichst günstigen Sachverständigen zu finden. Es sei dann aber auch sein Risiko, einen zu teuren Sachverständigen zu beauftragen, dessen Kosten also „die Grenze des zur Wiederherstellung Erforderlichen“ überschreiten. zwar gebe es mittlerweile Rechtsprechung, wonach man diesen Einwand dem Geschädigten selbst nicht mehr direkt entgegenhalten dürfe. Da der Mandant dem Sachverständigen die Kosten noch nicht gezahlt habe, dürfe man indes hierauf hinweisen und den Sachverständigen selbst auf die überhöhten Kosten hinweisen.

Garniert war das Schreiben mit dem Hinweis auf diverse Gerichtsentscheidungen.

Angewiesen hatte der Versicherer daher nur Sachverständigenkosten von 690,64 €. Die nach Meinung des Versicherers unangemessen hohe Kostenrechnung des Sachverständigen belief sich auf 693,42 €.

Der Mandant hätte also erkennen sollen, daß der Sachverständige um 2,78 € zu teuer ist? Hat der Sachbearbeiter überhaupt selbst gelesen, was er da geschrieben hat?

RA Müller

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5 Kommentare

  1. War das noch ein Mensch, oder das geschrieben hat?

    Ich kann mir vorstellen, dass da einfach gerechnet worden ist; Regulierungkosten mal x = übliche Sachverständigenkosten + Aufschlag/ Abschlag in Prozent.

    Nach der – wie auch immer konkret ausformulierten – Formel kommen maximale Sachverständigenkosten von € 690,64 heraus. Nehmen wir einmal gutwillig an, dass die Versicherung eine Kulanz in der Formel schon berücksichtigt hat …

    Dann ist der Sachverständige objektiv einfach um diese € 2,78 zu teuer, und die werden jetzt nicht gezahlt. (Ironietaggs denken, bitte).

    Im Ernst, ich nehme stark an, dass das eine zu simpel programmierte (halb?)automatisierte Eingabe ist. Potentielles Prozessrisiko nicht berücksichtigt… Meine Frage – würden Sie als Anwalt raten, in so einem Fall zu klagen?


    • Wenn der Sachverständige die Mehrkosten nicht mehr gegenüber dem Mandanten geltend macht, gibt es für mich keinen Grund zur Klage. Schließlich vertrete ich den Mandanten. Wenn der Mandant gezahlt hat und ihm die Erstattung verweigert wird, fällt die Entscheidung natürlich sofort für die Klage aus (die der Mandant in diesem Fall auch eindeutig gewinnen würde).


  2. http://www.captain-huk.de/


    • Mit der HUK habe ich einen solchen Fall noch nie erlebt. Hier sind es eher andere Versicherer, die auf solche Argumentationen verweisen.


  3. Na dann: Auf die Plätze …. fertig …. Klage.



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