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„Viele Zeugen verderben den Prozeß“

April 27, 2015

Das bekannte Sprichwort „Viele Köche verderben den Brei“ läßt sich ohne weiteres auf Prozesse ummünzen. Wer einen Sachverhalt beweisen will, tut gut daran, nicht jeden Zeugen zu benennen, der ihm irgendwie in den Sinn kommt. Häufig ist es besser, einen zuverlässigen Zeugen zu benennen, als einen zuverlässigen und zwei „Wackelkandidaten“.

In einem Verfahren hatte mein Mandant mir fassungslos berichtet, daß der gegnerische Vortrag erstunken und erlogen sei. Zum Nachweis seiner Behauptungen hatte der Gegner sich indes auf mehrere Familienangehörige als Zeugen berufen. Diese seien bei den entsprechenden Unterredungen anwesend gewesen und könnten die darin angeblich getroffene Absprache bestätigen.

Obgleich mein Mandant sich sicher war, daß die vom Gegner behauptete Absprache so nicht getroffen worden war, mußte er die Beweisaufnahme fürchten. Es bedurfte keiner großen Phantasie, sich auszumalen, was die gegnerischen Zeugen aussagen würden.

Sehr zur Freude meines Mandanten ergaben sich indes aus den Aussagen der gegnerischen Zeugen verschiedene gewichtige Widersprüche. Zwar bestätigten die Zeugen eine solche Unterredung. Auch eine Absprache sei getroffen worden. Zu Zeitpunkt, Umständen und Inhalt der Gespräche stimmten die Zeugenaussagen indes nicht überein. Sie standen auch im Widerspruch zu den Behauptungen des Klägers. Entsprechend wies das Gericht seine Klage in erster Instanz ab.

Der Gegner legte Berufung ein und durfte sich nun von dem Berufungsgericht u.a. Folgendes vorhalten lassen:

 „Die Kammer kann sich des Eindrucks nicht erwehren, daß der Kläger mit der Berufungsbegründung den Versuch unternimmt, einen zu Tage getretenen Widerspruch zwischen seinen Angaben und den Aussagen zweier von ihm benannter Zeugen, den das Amtsgericht bei der Beweiswürdigung völlig zu Recht gewichtet hat, nach für ihn ungünstiger Beweisentscheidung des Amtsgerichts im Nachhinein aus der Welt zu schaffen.“

 Hätte der Kläger nur einen Zeugen benannt, so hätte das Gericht weniger Möglichkeiten gehabt, den Vortrag des Klägers zu hinterfragen. Es wären zwangsläufig weniger Widersprüche zutage getreten. So kann mein Mandant also froh sein, daß der Gegner  sich bemüht hatte, möglichst viele Zeugen zu benennen.

RA Müller

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