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Drohen und Betteln

September 15, 2015

Die Gegenseite behauptet beharrlich eine Forderung gegenüber dem Mandanten zu haben. Versuche des Gegners selbst, den Mandanten durch schriftliche Aufforderungen zu einer Zahlung zu bewegen, führten nicht zum Erfolg. Also beauftragte die Gegenseite ein Inkassounternehmen.

Dieses Inkassounternehmen teilte dem Mandanten im Juli 2013 „rechtsverbindlich“ mit, daß er nun binnen einer kurzen Frist zahlen müsse, da man bereits jetzt den Auftrag erhalten habe, den Anspruch „unverzüglich“ nach Ablauf der Frist gerichtlich geltend zu machen.

Der Mandant zahlte nicht.

Nach Fristablauf ließ die Gegenseite unverzüglich … acht Monate verstreichen, um den Mandanten dann erneut an die Zahlung zu erinnern. In diesem Schreiben wies man auch gleich darauf hin, daß man bei nun „keine Möglichkeit mehr [gebe], zu einer außergerichtlichen Klärung“ zu gelangen.

Der Mandant zahlte nicht.

Im Mai 2014 folgte tatsächlich ein gerichtlicher Mahnbescheid. Dieser wurde nicht durch das Inkassounternehmen, sondern durch einen Rechtsanwalt beantragt.

Der Mandant legte Widerspruch gegen den Mahnbescheid ein.

Es folgte nicht etwa die Durchführung des gerichtlichen Verfahrens. Auch ein Anwaltsschreiben ging nicht ein. Statt dessen meldete sich im Juni 2014 wieder das Inkassounternehmen. Es laufe zwar schon das Mahnverfahren, aber man wolle nun doch noch einmal versuchen, eine außergerichtliche Einigung herbeizuführen. Falls der Mandant knapp die Hälfte der Forderung begleiche, sei die Sache erledigt.

Der Mandant zahlte nicht.

Wenige Wochen später meldete sich das Inkassobüro erneut und verwies darauf, weiterhin auf eine außergerichtliche Einigung zu hoffen, zumal der Mandant im Gerichtsverfahren chancenlos stehen werde.

Der Mandant zahlte nicht.

Kürzlich erfolgte nun das nächste Schreiben des Inkassounternehmens. Erneut wurde ein Vergleichsvorschlag unterbreitet, den der Mandant doch bitte zur Erledigung der Angelegenheit annehmen möge.

An Papier und Geduld scheint es der Gegenseite nicht zu mangeln. Der Mandant könnte die Gegenseite gerichtlich in Anspruch nehmen auf Feststellung, daß der behauptete Anspruch nicht besteht. Das möchte er aber gar nicht. Wer weiß schon, ob er die zu verauslagenden Gerichtskosten von der Gegenseite je erstattet bekommen würde. Die Schreiben der Gegenseite betrachtet er eher amüsiert und wartet ab, wie oft die Gegenseite noch zwischen Drohen und Betteln wechseln möchte. Ernst nehmen kann er das gegnerische Inkassounternehmen nicht mehr.

RA Müller

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3 Kommentare

  1. Gab es denn noch keine „Schufa“ Drohung?


    • Ich will nicht auschließen, daß das eine oder andere Mahnschreiben auch eine Schufa-Drohung beinhaltete. Ich habe die Textbausteine eher kursorisch zur Kenntnis genommen 😉


  2. Verjährt eine eventuelle Forderung eigentlich so lange die Mahnungen laufen?

    Sprich hat der Mandant irgendwann alleine dadurch seine Ruhe das er sagen kann: Verjährt!



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