h1

Schweigen ist Gold

Oktober 15, 2015

Der Mandant mußte in einer zivilrechtlichen Angelegenheit als Kläger nicht persönlich zum Gerichtstermin erscheinen. Es war zudem absehbar, daß der Gegner nicht auftauchen würde und sich auch nicht anwaltlich vertreten lassen würde.

Gleichwohl – und dies ist ja auch völlig in Ordnung – wollte der Mandant „Gerichtsluft“ schnuppern und stellte sich also zum Termin ein. Das Gericht wies zu Beginn der Verhandlung darauf hin, wie üblich 15 Minuten warten zu werden und den ausgebliebenen Gegner dann durch ein der Klage stattgebendes Versäumnisurteil verurteilen zu werden.

Die Wartezeit wollte der reichlich redselige Mandant überbrücken, indem er mit dem Richter über seine Sache sprach. Gänzlich unbefangen fing er an zu erzählen, da er ähnliche Verfahren ja bereits vor vielen Gerichten geführt habe. Der Richter werde gar nicht glauben, welche Einwände seitens anderer Richter bereits gegen seine Forderungen erhoben worden wären. Mancher Richter habe sich sogar schon zu dieser oder jener Rechtsauffassung verstiegen.

Zu bremsen war der Redefluß des Mandanten erst, als der Richter bedeutete, daß es vielleicht doch kein Versäumnisurteil geben werde, wenn er weiterrede.

Diesen Wink schien der Mandant dann doch verstanden zu haben. Schweigen kann eben bisweilen tatsächlich Gold wert sein.

RA Müller

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: