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Freud’sche Hinrichtung

Januar 12, 2016

In einer Strafsache sollte der Mandant fünf kleinere Straftaten begangen haben. Die Beweislage war als eher dürftig zu bezeichnen. Die Staatsanwaltschaft erhob gleichwohl Anklage und es kam zur Hauptverhandlung.

In der Verhandlung erläuterte das Gericht, daß es entscheidend sein werde, ob gegen den mutmaßlichen Belastungszeugen noch ein eigenes Strafverfahren wegen der Tatvorwürfe laufe und ob er daher

„in dieser Hinrichtung nichts sagen muß,“

um sich indes sogleich zu verbessern: Es habe natürlich „in dieser Hinsicht“ heißen müssen; es liege ein freud’scher Versprecher vor.

Der Hinweis auf den „freud’schen Versprecher“ hätte nun wiederum für leichte Beunruhigung sorgen können, soll ein solcher Versprecher doch vorliegen, wenn hierdurch ungewollt die eigentliche Intention des Sprechenden zum Vorschein kommt.

Es zeigte sich indes alsbald, daß mein Mandant von einer Hinrichtung weit entfernt war. Das gegen ihn geführte Strafverfahren wurde eingestellt und sein Kopf ist noch dran.

RA Müller

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