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Konfliktverteidigung – Was ist das eigentlich?

Mai 4, 2012

In Unterhaltungen mit Kollegen aber auch mit Richtern und Staatsanwälten taucht gelegentlich der Begriff der „Konfliktverteidigung“ auf. Selten klingt der Begriff positiv an.

Dabei sollte man sich vor Augen halten, daß der „Konflikt“ die typische Situation in einem Strafverfahren ist. Das Interesse der Staatsanwaltschaft (und nicht selten des Gerichts) steht häufig in einem diametralen Gegensatz zu dem Interesse des Angeklagten.

Ist es zur Zulassung der Anklage gekommen, so befindet sich das Gericht in einer Verurteilungsperspektive. Es hält die Verurteilung zumindest für wahrscheinlich. Zumindest eine Freispruchverteidigung kommt also an einem Konflikt gar nicht vorbei. Auch die Verteidigung, die an einem niedrigeren Strafrahmen ansetzt oder nur einen Teil der Taten für nicht gegeben oder nicht nachgewiesen hält, sieht sich unweigerlich einem solchen Konflikt ausgesetzt.

Der Verteidiger ist gehalten, seine Tätigkeit im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten am Interesse des Mandanten auszurichten. Nimmt er seine Aufgabe ernst, muß er also die ihm zur Verfügung stehenden prozessualen Möglichkeiten nutzen, das Strafverfahren zugunsten seines Mandanten zu beeinflussen.

Ein verständiges Gericht wird diese Tätigkeit nicht als Affront werten, sondern wird das Korrektiv, das der Tätigkeit des Verteidigers innewohnt, begrüßen.

Sicherlich gibt es auch jene Verteidigung, die sich nicht damit begnügt, einem Konflikt nicht auszuweichen, sondern diesen geradezu provoziert, indem etwa reihenweise Anträge gestellt werden, die einer prozessualen Rechtfertigung entbehren. Wer einen Begriff bemühen möchte, der mag von “Krawallverteidigung” sprechen, wobei es sich ohnehin nur um ganz wenige Verteidiger handeln dürfte, die derart vorgehen. Sie werden mit ihrem Verhalten auch selten den Mandanteninteressen tatsächlich nutzen, mag es bei manchen Mandanten auch gut ankommen.

Der Begriff der “Konfliktverteidigung” erscheint mir dagegen – zumindest im Rahmen der üblichen Benutzung – verfehlt.

Eine den Zielen des Mandanten dienende Verteidigung kann im Übrigen in angemessenen Fällen ebenso darin bestehen, einen Konflikt zu vermeiden, weil die Straftaten etwa auf der Hand liegen und es allein um die Strafzumessung geht. Eine solche Konsensualverteidigung mag in diesen Fällen ebenso im Mandanteninteresse liegen wie in anderen Fällen die Konfliktverteidigung.

Der Verteidiger, der sich weder als Krawallverteidiger aufführt noch seine Aufgabe als gerichtlich abgesegneter Geständnisbegleiter sieht, sondern mit maßvollem Auge zwischen Konflikt- und Konsensualverteididigung abwägt, dürfte seinen Mandanten den größten Nutzen bringen.

RA Müller

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